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Rückblick auf die Sitzung am 25. Mai 2009

Thema: Deutsche mittelständische Unternehmen und die russische Bürokratie

In der kostenfreien imoe> Experten-Fragestunde Osteuropa gab Philipp Rowe, Geschäftsführer von RUFIL CONSULTING, Auskunft darüber, welche bürokratischen Hürden beim Aufbau und der Führung deutscher Repräsentanzen und Tochtergesellschaften in Russland zu überwinden sind und wie man das am besten macht.

Die russische Bürokratie kann deutsche Mittelständler bei ihrem Russlandgeschäft viel Zeit, Geld und Nerven kosten.

Alle in Russland registrierten Tochterunternehmen und Repräsentanzen sind gesetzlich dazu verpflichtet, eine Buchhaltung zu führen sowie den russischen Behörden quartalsweise und umfassend über ihre Geschäftstätigkeit zu berichten. Diese Pflicht besteht auch dann, wenn keine kommerzielle Tätigkeit ausgeführt wird und keine Einnahmen erzielt werden.

Ob bei der Verbuchung der täglichen Geschäftstransaktionen, der Lohnbuchhaltung oder der quartalsweisen Erstellung der Steuer-, Sozialversicherungs- und Statistikberichte, die Praxis des russischen Rechnungswesens gestaltet sich um ein Vielfaches bürokratischer und zeitaufwendiger als in Deutschland.

Für deutsche Fach- und Führungskräfte, die in Russland arbeiten wollen, müssen außerdem alljährlich Arbeitserlaubnis und Arbeitsvisum beantragt werden. Sowohl die Arbeit der deutschen Geschäftsführung vor Ort als auch die Kontrolle durch das Mutterunternehmen in Deutschland werden durch ungewohnte Vorschriften, unklare Zuständigkeiten, eine sich ständig ändernde Rechtslage, Mentalitätsunterschiede und nicht zuletzt durch Sprach- und Verständigungsprobleme zusätzlich erschwert.


Fragen und Antworten - Ergebnisse der Experten-Fragestunde

 

Die wichtigsten Fragen und Antworten hat unser Experte Herr Philipp Rowe von RUFIL CONSULTING für Sie zusammengestellt.


Sie können sich den Rückblick mit diesen Themen als PDF-Dokument herunterladen.


Wir haben eine Tochtergesellschaft in Moskau (GmbH nach russischem Recht). In diesem Quartal haben wir keine Umsätze gemacht. Müssen wir trotzdem eine Quartals-Steuererklärung abgeben? Wenn ja, kann Ihre Firma das für uns erledigen und was kostet das?
Eine GmbH nach russischem Recht, eine OOO, muss jedes Quartal eine Steuererklärung abgeben. Wenn keine Umsätze gemacht wurden, muss eine sogenannte Nullbilanz erstellt werden. Diese bestätigt, dass keine Umsätze gemacht wurden und keine Gewinnsteuer (Körperschaftssteuer) gezahlt werden muss. Meine Firma kann das gerne für Sie übernehmen. Je nachdem, wie viele Mitarbeiter Sie in Moskau beschäftigen, liegt der Preis dafür bei 450 bis 650 EUR im Quartal.

Können Sie mir sagen, welchen Sinn es hat, dass man als Geschäftsführer in Russland bei einer Rechnungsstellung immer so viel mehr Dokumente unterschreiben muss wie in Deutschland?
Die russische Buchhaltung ist um einiges bürokratischer als in Deutschland. Zu jeder Rechnung in Russland gibt es in der Regel immer noch zwei begleitende Dokumente.

Welche Dokumente sind bei einer Rechnungsstellung in Russland nötig sind und welche Aufgaben haben sie?
Die Rechnung (auf Russisch Schjot) für sich ist in Russland für buchhalterische und steuerliche Zwecke nicht ausreichend. Zu jeder Rechnung gehören immer noch zwei weitere Dokumente. Die Rechnungsfaktura (auf Russisch Schjot-Faktura) und das Übergabeprotokoll (auf Russisch Akt). Die Rechnungs-Faktura dient dem Empfänger einer Leistung oder Ware zum Abzug der im Rechnungsbetrag enthaltenen Umsatzsteuer als Vorsteuer. Die Rechnungs-Faktura wird nur beim bargeldlosen Zahlungsverkehr ausgestellt.
Im Übergabeprotokoll sichern sich beide Vertragsparteien zu, dass eine Leistung ordnungsgemäß erbracht bzw. dass eine Ware ordnungsgemäß geliefert wurde. Erst wenn das Übergabeprotokoll von beiden Vertragsparteien unterzeichnet wurde, kann eine bezahlte Rechnung als Aufwand verbucht werden.

Unser Unternehmen plant, in Russland eine Tochtergesellschaft in der Form einer russischen GmbH zu eröffnen. Ich habe gehört, dass kleine Unternehmen in Russland weniger Steuern zahlen können. Stichwort – vereinfachtes Steuersystem. Ist das für unsere geplante Tochter möglich? Unter welchen Bedingungen?
Die Körperschaftssteuer für in eine in Russland registrierte GmbH beträgt 20%. Unter gewissen Voraussetzungen kann sich eine russische GmbH für das sogenannte vereinfachte Steuersystem anmelden. Die Voraussetzungen dafür sind:

  • Das Unternehmen beschäftigt weniger als 100 Mitarbeiter,
  • der Erlös beträgt in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres weniger als 15 Millionen Rubel (nach heutigen Kurs ca. 350.000 EUR) und
  • Anlagevermögen und immaterielle Wirtschaftsgüter haben einen Restbuchwert von weniger als 100 Millionen Rubel (nach heutigem Kurs ca. 2,3 Millionen EUR)

Außerdem darf es keine Beteiligung eines weiteren Unternehmens von über 25% haben, welches nach diesen Kriterien nicht als klein gilt.
Einige Unternehmen sind von dieser Regelung jedoch ausgeschlossen. Unter anderem Unternehmen mit ausländischer Kapitalbeteiligung können sich nicht für das vereinfachte Steuersystem anmelden. Für die russische Tochtergesellschaft einer deutschen Kapitalgesellschaft kommt das vereinfachte Steuersystem also leider nicht in Frage.

Welche Beziehungen müssen wir mit dem russischen Finanzamt und eventuell anderen staatlichen Einrichtungen unterhalten, wenn wir als deutscher Investor ein Konto (Rubel- und Euro-) in einer Moskauer Bank unterhalten? Das Konto wird als reines "Investionskonto" genutzt, d.h. Eingang von Dividenden, ihre Konvertierung in Euro, Zahlung der Bankgebühren, weitere Investitionen in die russische Wirtschaft. Wenn gewisse Beziehungen verlangt werden, dann mit welchem Finanzamt (verantwortliches für die Bank oder zentrales für Nichtresidenten)? In welchen Dokumenten sind die Beziehungen geregelt? 
Die folgende Beschreibung gilt für ausländische Unternehmen, die in Russland keine Tochtergesellschaft, Repräsentant oder Betriebsstätte führen.
Ein ausländisches Unternehmen, das in Russland ein Bankkonto eröffnen will, muss sich bei den russischen Steuerbehörden anmelden. Über diese Anmeldung wird dann vom Steueramt ein Bestätigungsdokument ausgestellt (Svidetelstvo o postanovke na uchjot v nalogovom organe). Die jeweilige russische Bank fordert die Vorlage dieses Bestätigungsdokuments, ohne welches das Bankkonto nicht eröffnet werden darf.
Für ausländische Unternehmen (inklusive Banken und andere Organisationen des Finanz- und Kreditwesens), die in Russland Konten in Rubel oder Valuta eröffnen möchten und keine Geschäftstätigkeit in Russland ausüben, wurde ein vereinfachtes System zur Anmeldung bei den Steuerbehörden und der Erstellung des Bestätigungsdokumentes eingerichtet.
Für diese ausländischen Unternehmen ist das zum Ort der kontoführenden Bank gehörende Steueramt zuständig.

Ich bin seit kurzem Leiter der Moskauer Repräsentanz eines mittelständischen deutschen Schuhproduzenten. Dabei habe ich eine Frage zur Versteuerung meines Einkommens in Russland. Wie hoch ist die Einkommensteuer für Ausländer in Russland? Ich habe gehört, dass es da einen höheren und einen niedrigeren Steuersatz gibt. Ist das richtig?

Ausländer, die in Russland Gehalt oder Lohn bekommen, bezahlen eine pauschale Einkommenssteuer von 30%. Wenn der Ausländer mehr als 183 Tage pro Jahr in Russland aufhält, kann dieser Steuersatz auf 13% gesenkt werden. Dafür muss den russischen Steuerbehörden der Aufenthalt von mehr als 183 Tage nachgewiesen werden. Dafür wird eine Reisepasskopie gefordert. Anhand der Ein- und Ausreisestempel im Reisepass werden die Aufenthaltstage in Russland zusammengezählt. Die dazugehörige Kommunikation mit dem Finanzamt sowie die Berechnung und die Überweisung der Einkommenssteuer obliegt in der Regel dem Arbeitgeber in Russland, das heißt in Ihrem Falle der Repräsentanz.

Ich war in diesem Jahr mit einem Geschäftsvisum/Businessvisum bereits 90 Tage am Stück in Russland. Jetzt trete ich meine Stelle als Repräsentanzleiter an und bekomme dafür ein einjähriges Arbeitsvisum. Werden die Tage, die ich mit dem Geschäftsvisum in Russland war, bei der 183-Regel berücksichtigt? Oder zählt diese Regelung nur für Arbeitsvisa?
Auch die Tage, in denen Sie sich mit einem Geschäftsvisum in Russland aufgehalten haben, werden bei der 183-Tage Regelung berücksichtigt. Entscheidend dafür sind nur die Ein- und Ausreisestempel in Ihren Reisepass.



imoe> Referent: Philipp Rowe

Philipp Rowe

RUFIL CONSULTING hat sich auf die Erledigung eben dieser bürokratischen Aufgaben für deutsche Repräsentanzen und Tochtergesellschaften in Russland spezialisiert. Auf diese Weise hilft RUFIL CONSULTING deutschen mittelständischen Unternehmen, sich bei ihrer Arbeit in Russland voll auf das Kerngeschäft zu konzentrieren.
Das Leistungsprogramm in Moskau:

  • Russische Buchhaltung
  • Quartalsberichte und Steuererklärungen
  • Lohnbuchhaltung und Personalverwaltung
  • Internationales Berichtswesen (IFRS und US-GAAP)
  • Arbeitsvisum und Arbeitserlaubnis
  • Adressen und Büroräume


Kontakt:
Philipp Rowe
RUFIL CONSULTING
Proezd Serebryakova, 6
129343 Moskau
Russland
Tel.: +7 495 233 01 25
Fax: +7 499 157 57 34
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