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Feuilleton: Interview mit Marian Gold (Alphaville) 18.03.11

Alphaville hatten national und international in den 80er Jahren mit Songs wie ?Big in Japan?, ?Sounds like a melody? und ?Forever Young? den Durchbruch. Noch heute werden ihre Songs im Radio rauf und runter gespielt. Im November 2010 veröffentlichten sie nun ihr neues Album ?Catching Rays On Giant? und stellen die Songs seit 15. März 2011 im Rahmen ihrer Live-Tour vor. An seinem ersten Day-off-Tag gab Marian Gold, Sänger von Alphaville, imoe> music in Sehnde (bei Hannover), der nächsten Tour-Station, ein Interview.


Über das Alphaville-Comeback 2010:

Frage von imoe> music
:
Wie zufrieden bist Du mit dem Jahr 2010? In den Medien wurden Eure jüngsten Erfolge ja als ?Comeback? tituliert, dabei wart Ihr ja nicht wirklich weg, seid viel getourt, habt neue Stücke geschrieben ?

Antwort von Marian Gold:

Man kann es schon als Comeback bezeichnen. Ich war ganz erschrocken, als ich merkte, dass wirklich 7 Jahre seit der letzten Veröffentlichung vergangen sind. Wir waren zwar zwischenzeitlich wirklich nicht untätig und haben ca. 60 bis 70 Live-Gigs pro Jahr gespielt, aber das meist ohne größere Beachtung der Medien. Durch unsere Plattenfirma Universal hat sich das jetzt grundlegend geändert, und Alphaville kommt auch wieder in den Mainstream-Medien vor.

Ein Comeback ist es auch noch aus anderer Sicht. Wir hatten richtig Lust, ein poppiges, singleorientiertes Album herauszubringen. Das Konzept ?Popmusik? war für uns wieder interessant. Aber natürlich konnten wir nicht alle Songs, die wir in der langen Veröffentlichungspause geschrieben haben, auf der neuen CD unterbringen. Es wird eine zweite CD geben, die wir mit diesem Material füllen werden. Da wir aber ja auch laufend weiterschreiben, reicht ein einziges neues Album vermutlich gar nicht aus. Vielleicht veröffentlichen wir dann wieder eine neue ?Dreamscapes? oder ?Crazyshow? (Anmerkung von imoe>: Auf Dreamscapes (8 CDs) und Crazyshow (4 CDs) veröffentlichten Alphaville 1999 und 2003 Demobänder und unveröffentlichte Songs im Eigenvertrieb für ihre Fans; so konnten die Fans z.B. in der ?Websitestory? ein Jahr lang live im Internet die Entstehung neuer Songs mit verfolgen und sogar mit beeinflussen; das Ergebnis wurde im Rahmen der Crazyshow veröffentlicht). 


Über Alphaville-Songs:

Frage von imoe> music
:
Wie sind die Songs auf dem neuen Album ?Catching Rays on Giant? entstanden?

Antwort von Marian Gold:

Die Texte für die Songs entstehen zumeist aus einem Wort, was mir durch den Kopf geht und hängen bleibt. Hieraus bastele ich dann eine Story, die Leute mit einer ähnlich romantischen Einstellung, wie wir sie haben, dazu anregt, die Geschichte für sich selbst ?weiterzuspinnen?. Jeder verbindet mit den Songs etwas anderes, etwas für sich individuelles. Die Songs sind eine Aufforderung zum ?Weiterträumen?.

Ein schönes Beispiel ist unser Song ?Monkey in the Moon?, den wir auch im Rahmen unserer derzeitigen Tour live spielen. Ich wurde oft gefragt, wovon der Song handelt, welches Bild sich dahinter verbirgt. Den Assoziationen ist hier freier Lauf gelassen. Ich selbst sehe dahinter gerade einen kleinen afrikanischen Jungen, der einen Affen im Arm hat, einen Pavian genauer gesagt (und die sind ja richtig groß ? grinst -), der sein bester Freund ist. Mit Photoshop (PC-Bildbearbeitungsprogramm) habe ich das Bild wirklich visualisiert und habe ihm einen runden Mond dazu gesetzt.


Über die Songs des neuen Albums ?Catching Rays On Giant? und die gleichnamige derzeitige Live-Tour:

Frage von imoe> music
:
Eure aktuelle Single ist ?Song for no one (but myself)?. Der Song kommt ja bei den Zuhörern besonders gut an. Ihr habt ein sehr amüsantes Trick-Video aufgezeichnet, passend zum Artwork des Albums. Hier reitest Du als Phantasie-Figur auf einem Elefanten, schwebst mit Luftballons durch die Luft. Wie gefällt Dir das?

Antwort von Marian Gold:
 
Das Video ist eine Produktion der Firma Soulpix aus Hannover. Es hat viel Spaß gemacht. In den ersten Entwürfen war ich übrigens fast ein ?Strich in der Landschaft?. Da habe ich dann noch einmal um Nachbesserung und Anpassung an die Realität gebeten (lacht herzhaft).

Frage von imoe> music
:
Na, dick bist Du doch nun wirklich nicht. Du hast auch sehr abgenommen, oder? Und auf der Bühne hast Du eine super Kondition - Du tanzt und springst über die Bühne, heizt das Publikum an ?

Antwort von Marian Gold:
 
Ja, stimmt, ich habe abgenommen. Aber die Kondition hatte ich eigentlich schon immer auf der Bühne, egal wie viel ich jeweils wog. Auf der Bühne bin ich irgendwie ?schwerelos?. Dieses Gefühl beschreibt übrigens auch unser Song ?Gravitation Breakdown? aus dem neuen Album sehr gut. Hier habe ich die Rolle gewechselt, bin ein kleines verzweifeltes Mädchen, das weint, aber sich nicht unterkriegen lässt und kämpft bis zur Aufhebung der Schwerkraft. Das möchte ich auch auf der Bühne so rüberbringen.

Frage von imoe> music
:
Ihr seid ja gerade auf Live-Tour mit dem neuen Album. In zwei Orten Eurer aktuellen Tournee ?Catching Rays on Giant? habt Ihr schon gespielt, Aurich und Recklinghausen. Jetzt folgt Sehnde. Wie zufrieden bist Du bisher?

Antwort von Marian Gold:
 
Es läuft super gut für uns und macht sehr viel Spaß. In Aurich gab es ein paar technische Probleme, aber wir haben einfach eine super Crew und Band. So haben wir weitergespielt, unplugged und so, wie es irgendwie möglich war. Zwar war ab einem bestimmten Punkt eine Zwangspause nötig. Es wurde überlegt, das Konzert unter diesen schwierigen Bedingungen abzubrechen. Aber wir wollten das Publikum nicht enttäuschen und weiterspielen. So sind wir, obwohl wir die meisten Songs des Sets schon gespielt hatten, zurück auf die Bühne gekommen und haben zu Ende gespielt. Das hat die Leute sichtlich gefreut, es ist eigentlich keiner gegangen. So etwas kannst Du auch nur mit einer super funktionierenden Live-Band machen, die professionell genug ist, um auch zu improvisieren.

Frage von imoe> music
:
Ich war ja vor Ort, die Leute waren von Eurer Show wirklich begeistert und fanden die Pannen sogar gerade menschlich und Euch super sympathisch, wie Ihr damit umgegangen seid! Ihr spielt auf der Tour ein sehr abwechslungsreiches Set, viele neue aber interessanterweise auch neue alte Songs (neu arrangiert und auch erstmalig gespielt). Wie kam es zu der Songauswahl?

Antwort von Marian Gold:
 
Es gab einen Song auf unserer alten CD ?Prostitute?, der leider bisher etwas unterbewertet wurde, auch durch uns selbst, dass wir ihn noch nie live performt haben. Das tun wir nun. Es ist der Song ?Iron John?, der ein wenig wie Irish Folk klingt, mit Dudelsack-Musik. Diesem Song kann man sich wirklich nicht entziehen, das merkt man auch an den Reaktionen des Publikums.

Ein weiterer älterer Song ist ?Guardian Angel?. Der bietet live einfach eine prima Plattform für eine spannende Performance. Jemanden darzustellen, der stirbt, ermöglicht, Dramatik und Pathos rüber zu bringen.

Ansonsten spielen wir natürlich vor allem auch unsere neuen Songs. Insgesamt sind neun von den zwölf Songs des Albums in der Set-List. Dass drei Songs fehlen, liegt eigentlich nur daran, dass wir es in den knapp 14 Tagen, die uns zur Vorbereitung blieben, zeitlich nicht geschafft haben, diese so einzuproben, wie wir sie uns für eine Darstellung vorstellen. So muss ?The things I didn´t do? einfach auch auf der Bühne die Story des Songs erzählen. Da schwelgt der Hauptdarsteller in Selbstmitleid, es stellt sich aber am Schluss des Songs heraus, dass der Typ seine Liebe umgebracht hat. Da würde ein richtiger Chor im Hintergrund mit rabenschwarzen Gospelsängerinnen einfach super gut dazu passen. Mal schauen, wie wir das irgendwann mal umsetzen.

Frage von imoe> music
:
Ihr spielt ja neben den neuen Songs auch Eure Klassiker, die sich jeder Zuhörer natürlich auch wünscht. Um da alles in einem Konzert unterzubringen, spielt Ihr ja gut zwei Stunden.

Antwort von Marian Gold:
 
Stimmt, es ist eine lange Setlist geworden. Wir waren selbst überrascht, wie lange ein Konzert jetzt tatsächlich dauert. Aber das ziehen wir jetzt durch, es macht auch wirklich viel Spaß!

Frage von imoe> music
:
Das ist stimmlich bestimmt sehr anstrengend. Wie schaffst Du das?

Antwort von Marian Gold:
 
Ich hoffe wirklich sehr, dass meine Stimme bis zu unserem letzten Gig in Berlin durchhält. Eigentlich möchte ich unbedingt vermeiden, dass ich medikamentös mit dem entzündungshemmenden Mittel Cortison nachhelfen muss. Früher haben wir nach den Gigs viel gefeiert. Das mache ich jetzt nicht mehr. Das Absetzen von Cortison nach einer längeren Zeit ist wirklich wie ein Drogenentzug. Eigentlich muss man das Medikament über sechs Wochen ausschleichen, das habe ich aber oft nicht gemacht, sondern es von einem Tag auf den anderen abgesetzt. Dann ging es mir eine Woche richtig schlecht. Zudem hat Cortison extreme Nebenwirkungen. Dazu gehört z. B., dass man im Gesicht sehr aufgedunsen wirkt, und das Erinnerungsvermögen leidet sehr. So war es bei manchen Konzerten nötig, dass die Bühne mit Text-Zetteln beklebt wurde.

Frage von imoe> music
:
Ihr habt eine neue Bassistin. Verrätst Du mehr über Euren Neuzugang? Ihr hattet im Vorfeld ja auch über Facebook nach einem Bassisten/Background-Sänger gesucht.

Antwort von Marian Gold: 
Über unsere neue Bassistin freuen wir uns sehr. Es ist Maja Kim, und sie kommt aus Hamburg. Jakob Kiersch, unser Drummer, hatte früher schon einmal mit ihr zusammen gespielt und gab uns den Tipp. Beim Casting wurde schnell klar, dass sie perfekt zu uns passt.


Über Alphaville LIVE in Osteuropa

Frage von imoe> music
:
Ihr spielt ja nicht nur national, sondern auch viel international. In Osteuropa, insbesondere Russland, Rumänien oder Tschechien habt Ihr viele Auftritte und große Erfolge.

Antwort von Marian Gold:
 
In der Tat sind wir in Osteuropa sehr bekannt, und Konzerte werden sehr gut besucht. In Rumänien wurden wir sogar von einem Minister empfangen. Er war noch recht jung und sehr sympathisch. Am Tag unseres Auftritts wurde er leider abgesetzt, aufgrund irgend eines Skandals um eine Frau.


Über Marian Gold - Alphaville:

Frage von imoe> music
:
Was bedeutet Dir Alphaville?

Antwort von Marian Gold:
Meine Familie kommt für mich an erster Stelle, aber Alphaville gleich an zweiter. Es macht sehr viel Spaß!

Frage von imoe> music
:
Was genießt Du in Deiner Freizeit? Wie entspannst Du, wie erdest Du Dich?

Antwort von Marian Gold:

Entspannung ist für mich, wenn ich nach Hause komme. Ich höre Musik, surfe im Internet, suche hier neue Musik und finde auch immer wieder interessante neue Gruppen. Das Internet ist für mich wie der Wilde Westen. Es bedeutet Aufbruchststimmung, war und ist eine Pionierzeit - neue Wege sind zu gehen. Das gilt auch für die Musikindustrie. Musik wird ja viel illegal aus dem Netz gezogen. Die großen Plattenlabels, auch unsere Plattenfirma Universal, gehen hier vehement rechtlich dagegen vor. Ich lehne das ab und würde nicht rechtlich gegen jemanden vorgehen, der sich Musik für den privaten Gebrauch mal aus dem Netz downloadet. Wohlgemerkt privater Verbrauch, wenn er/sie dann die Musik kommerziell nutzt, dann ist es etwas anderes. Aber wir haben nicht alleine an unserer Musik die Rechte, so dürfen wir eigentlich noch nicht einmal unsere Merchandising T-Shirts mit einem Bild aus unserem Video versehen - da die Plattenfirma zu 50% an der Videoproduktion beteiligt war. Natürlich entstehen hier finanzielle Einbußen für die Labels durch den illegalen Download. Das kann ich auch nachvollziehen. Aber meiner Meinung nach haben wir veränderte Zeiten, und die Plattenfirmen müssten neue Wege finden, wo sie ihren Profit erzielen können - eben wie die Siedler damals im Wilden Westen.

imoe> music
: Vielen Dank, Marian, für das interessante Interview!

Quellen:
Text: Nicola Stobbe (imoe> GmbH)
Foto: Michael Zargarinejad / Universal Music

 

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